Kunst und Kultur

Dorothee Helling-Sohmen

Dozentin für Steinbildhauerei

Dorothee Helling-Sohmen, Foto: Norbert Hohn

„Ich versuche eine Einheit zu bilden zwischen Ästhetik und Handwerk. Aus diesem Grund bevorzuge ich vor allem das Gestalten in Stein mit all seinen Materialwirkungen. Der Stein zwingt mich, materialgerecht zu arbeiten. Hier beginnt für mich das Schöne und zugleich Nützliche im Sinne einer natürlichen Dauerhaftigkeit. Die gesammelte Daseinsruhe dem Stein nicht zu nehmen, sondern ihm sein eigenes Sein zu belassen, ist mein gestalterisches Ziel. Ich versuche, die Ursprünglichkeit des Materials mit einzubeziehen. Es entsteht ein Herauswachsen aus dem Material. Ich möchte viele seiner Eigenheiten erhalten und einen Beitrag der natürlichen Veränderung offen lassen.“

(Dorothee Helling-Sohmen)

Ausbildung

Filmporträt

In dem Film „Steinreich“ von Tammo Dirks berichtet die Oldenburgerin über ihr Leben und ihre Arbeit mit der harten und vielschichtigen Materie Stein. An der VHS Oldenburg unterrichtet Frau Helling-Sohmen seit vielen Jahren Techniken der Steinbildhauerei.

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Buchporträt

Im Dezember 2014 ist das Buch „Lebende Steine“ über die Arbeit der Steinbildhauerin Dorothee Helling-Sohmen erschienen. Es kostet 24,50 € und ist bei der Buchhandlung Brader erhältlich.

Vorwort zum Buch

„Lebende Steine“, Dorothee Helling-Sohmen

Jeder Stein, rückt er ins Blickfeld, ist Herausforderung. Er blendet mit seinem Alter, er lockt zuweilen mit seiner Herkunft, er weckt die Fantasie mit seiner Form, er verspricht Geheimnisse, werde er geöffnet.

Dorothee Helling-Sohmen hat ein feines Gespür für Besonderheiten eines Steins, ob aus Marmor, Granit oder Sandstein. Sie ist in einer Bildhauer-Werkstatt aufgewachsen und hat die Anziehungskraft der Steine früh erfahren. Sie hat sich vom Vater ausbilden lassen und dem Stein ihren Meistertitel abgerungen. Die hier offensichtlich werdende Einheit von handwerklicher Arbeit und künstlerischer Gestaltgebung prägt ihr Werk. – Es dürfte auch kein Zufall gewesen sein, dass sie das Motiv „Adam und Eva“ für ihr Meisterstück gewählt hat. Im Thema wird der Anfang sichtbar und mit eigener Ursprünglichkeit und Vorstellungskraft verknüpft.

Mit diesem Bewusstsein um Anfang und Gegenwart, Natur und Kunst tritt Dorothee Helling-Sohmen vor jeden Stein: Sie stellt ihm Fragen und lässt in einem meditativen Prozess die Antworten auf sich wirken, ehe sie zum Werkzeug greift. Das Thema reift, aber es gewinnt Gestalt erst während des Arbeitsprozesses. Doch bei aller Offenheit gegenüber dem Stein – mit dem ersten Schlag wird die Richtung vorgegeben. Die Künstlerin weiß die unterschiedlichen Reaktionen von Marmor, Granit, Sand- oder Speckstein sensibel zu nutzen: Die Arbeit der Bildhauerin ist keine Verletzung des Steins, sondern ein Öffnen seiner Anlagen. Seine Fähigkeit, Spannungen zu ertragen, erlaubt Gesichter innerer Ruhe wie Gelassenheit, aber auch extreme Leidenschaft im Ausdruck zu entdecken, die Dorothee Helling-Sohmen dem Stein nicht aufzwingt, sondern in ihm sieht und empfindsam herausholt.

Holz erfordert eine andere Art behutsamer Behandlung. Es steht der Gartenwelt näher als ein von fern gekommener Stein. Das aufragend Gewachsene, die spürbare Nähe zur Figur bedingen andere Ideen und Arbeitsschritte. Dabei achtet Dorothee Helling-Sohmen den Spalt zwischen Baumgestalt und Menschenfigur; sie findet Ähnlichkeiten, aber sie verschleiert den Holz-Charakter nicht. Die Künstlerin arbeitet nicht gegen, sondern mit dem Material.

Für eine in sich ruhende Persönlichkeit liegt es nahe, auch die entgegengesetzten Wege zu erproben – das Aufbauen einer Form in der Bronze, das Wachsen und Durchdringen von Farben und Formen in der Malerei.

Dorothee Helling-Sohmen geht in ihren Skulpturen und Plastiken noch einen Schritt weiter, wenn sie im Rahmen der vom Stein gebotenen Bildhaftigkeit auch Tiere in ihren Schaffenskanon einbezieht – und diese in doppelter Hinsicht – als plastische Figuren und als Tränke für lebende Wesen. Nun zieht Dorothee Helling-Sohmen ein erstes Resümee ihrer künstlerischen Arbeit, ihrer Auseinandersetzung mit Stein, Holz und Bronze. In ihrem Schaffen hat sie nie den Kontakt zur Natur verloren, weder zum freien Raum außerhalb der menschlichen Sphäre, noch zur sensiblen Gestaltgebung in Garten und Haus mit der ständigen Entscheidung zwischen Gedeihen lassen oder Form geben. Das Besinnen auf das, was getan ist und was getan werden muss, hat Dorothee Helling-Sohmen auch zum Schreiben geführt. Sie findet Worte für den Sinn ihrer Arbeit und weiß auszudrücken, was sie vor einer Blume, vor ihrem Garten, vor der Natur und vor Welt und Kosmos bewegt. Ihr ist die Vielfalt in der großen Einheit bewusst.

Tammo Dirks hat dieses ganz persönliche und dennoch von der Eigenständigkeit der Natur geprägte Umfeld sensibel eingefangen. Seine Fotografien vermitteln ein Bild der Pflanzen- und Farbenfülle, der Lebensfreude, aber auch das Bewusstsein von der Einheit, die Mensch und Natur verbindet.

Jürgen Weichardt

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