Kunst und Kultur

Helga Glaesener

Dozentin für Literatur

Helga Glaesener, Foto: Glaesener

Helga Glaesener hat 1994 mit dem Schreiben von Büchern begonnen und konnte gleich mit ihrem ersten Roman, der Safranhändlerin, einen Bestsellererfolg landen. Seitdem hat sie in verschiedenen Verlagen Fantasy, historische Romane, Krimis und Humoristisches veröffentlicht und schreibt natürlich immer noch fleißig. Was nicht verschwiegen werden soll: Schriftsteller führen ein eher stilles Leben. Und so hat sie sich gefreut, als sich bei der VHS die Möglichkeit bot, andere Menschen mit dem Handwerk des Schreibens vertraut zu machen.

Textprobe

EINS

Wildenburg in der Eifel, im Januar 1632

Der Mann, den sie hinrichten wollten, war schön. Er hatte safrangelbes, lockiges Haar, das der Wind ihm aus dem Gesicht blies, so zärtlich, als wollte er ihn das Grauen der letzten Tage vergessen machen. Seine Augen spiegelten das gläserne Blau des Winterhimmels wieder. Sein Lächeln – er lächelte, trotz der Schmerzen, die er litt – wirkte aufgekratzt. Natürlich ging er krumm, kaum dass er sich auf den Beinen halten konnte. Langsam schlurfte er über die Steine, mit denen Marsilius den Innenhof beim Palas hatte pflastern lassen. Sein rechter Arm war gebrochen und die Hand zerschlagen. Die Fetzen, die ihm am Leib hingen, starrten von Schmutz und Blut. Er wusste, dass er sterben würde. Und er tat, als machte ihm das nichts aus.

Textauszug aus: Helga Glaesener: Die Hexe und der Leichendieb, 2012

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