Kunst und Kultur

Raku - eine besondere Glasur- und Brenntechnik

Von Anke H. Otto

Anke H. Otto: Raku-Brennen – Spänetonne

Die Ursprünge dieser ungewöhnlichen Keramikherstellung sind vor fast 500 Jahren in der traditionellen japanischen Teezeremonie begründet. Einen wichtigen Bestandteil dieser Zeremonie stellen aus der Hand gearbeitete Teeschalen dar, welche nach einem besonderen Brennverfahren ein charakteristisches individuelles „Muster“ aufweisen. In den Teeschalen sind die geistigen Hauptelemente der Teezeremonie - Reinheit, Harmonie, Ehrfurcht und Stille - versinnbildlicht. Ein leiser dumpfer Klang der Schalen, hervorgebracht durch den niedrig gebrannten und glasierten Ton, wird erstmalig vom japanischen Kaiserhof mit einem Gütesiegel „Raku“, das in der Übersetzung „Freude“ bedeutet, ausgezeichnet.

Anke H. Otto: Raku-Ofen

Die effektvolle Wirkung der Oberfläche und die Herstellungstechnik sind gleichermaßen außergewöhnlich: Im Gegensatz zu anderen keramischen Erzeugnissen wird beim Glasurbrand das Werkstück mit der glühenden Glasurschmelze aus dem über 1000 Grad heißen Ofen genommen. Der extreme Temperaturabfall verursacht ein Aufspringen der Glasur in ein charakteristisches Gitternetz, dem so genannten Craquele. Anschließend wird das Werkstück bis zum Erkalten in eine Grube mit Holzspänen, die Feuer fangen, gelegt. Durch Abdecken der Grube entsteht zunächst eine reduzierende Atmosphäre, die eine Farbumwandlung des zumeist weißen keramischen Grundmaterials verursacht. Alle nicht mit Glasur benetzten Partien zeigen nach dem Erkalten eine schwarz-graue dauerhafte Reduktionsschicht. Erst durch diesen Prozess wird das Glasurcraquele sichtbar. Da dieser Prozess stets unterschiedlichen Einflüssen unterliegt, ist nie ein Stück mit einem anderen identisch. Craquele und Farbgebung lassen genügend Spielraum und Inspiration für Weiterentwicklungen zu.

Anke H. Otto: Raku-Objekt

In den Kursen werden die Grundtechniken der Aufbaukeramik unter Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse an das Verfahren vermittelt. Nach Produktion, Trocknung, Schrühbrand und Glasurauftrag erhalten die Objekte im gemeinschaftlich durchgeführten Niedrigbrandverfahren ihr individuelles Dekor. Es können sowohl abstrakte oder gegenständliche Formen aber auch gebrauchskeramische Werkstücke hergestellt werden. Die einzigartige Ausstrahlung der Oberflächengestaltung dominiert mitunter so stark, dass die Form in den Hintergrund tritt. Besonders das Spiel mit Grundformen, die mit artfremden organischen Materialien kombiniert werden können, ist effektvoll und dekorativ.