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1. September 2021 bis 31. Januar 2022

Das Leben von Jecheskiel David Kirszenbaum war gekennzeichnet von mehreren elementaren Brüchen und der Notwendigkeit radikaler Neuanfänge: Vom polnischen Schtetl in die Bergarbeiter-Metropole Duisburg, von dort zum Studium ans Bauhaus, das pulsierende Leben im Berlin der Zwanzigerjahre, der Wechsel in die Pariser Kunstszene – und schließlich der Holocaust und die Notwendigkeit, das Erlebte und Erlittene zu verarbeiten.
Für Kirszenbaum waren das Judentum und besonders seine Erinnerungen an das Leben im Schtetl stets zentrale Themen seiner künstlerischen Arbeit. Mehrfach wurde er von Rezensenten in einem Atemzug mit Marc Chagall (1887-1985) genannt. Daneben setzte er sich mit den  Spielarten der Formensprache des Expressionismus  auseinander.
Wiederum ein ganz anderer Kirszenbaum tritt uns in seiner Arbeit als Karikaturist zwischen 1926 und 1933 unter dem Pseudonym „Duwdiwani“ (= hebräisch für „Kirschbaum“) entgegen. Der als staatenlos geltende Pole jüdischer  Herkunft wird zum aufmerksamen Beobachter der jungen Demokratie in Deutschland. Ironisch setzt er sich mit menschlichen Schwächen wie auch mit seinen Künstler-Kollegen und Kunstliebhabern auseinander. Mit dem wachsenden Einfluss des Nationalsozialismus wird auch sein Ton schärfer. Er geißelt die Lügen rechtsradikaler Politiker und die Phrasen der Nazis.