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Global denken, lokal handeln

Unter dieses Motto könnte man die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN stellen.


Im Jahr 2015 von allen 193 UN-Ländern beschlossen klingen sie erst einmal sehr abstrakt  und weit von unserem Alltag entfernt. Schaut man sich die Punkte aber einzeln an (siehe vordere Umschlagseite innen), lassen sie sich alle auf unseren Alltag übertragen. Ein Beispiel: Handlungsbedarf bei den Zielen 8 („Menschenwürdige Arbeit“) und 15 („Leben an Land“) findet sich gerade in unserer Region in den Zuständen der Fleischindustrie wieder. Über Ziel 23 („Nachhaltiger Konsum“) können wir einen kleinen Einfluss darauf haben, indem wir bei unseren Einkaufentscheidungen dieses Ziel im Hinterkopf haben.


Persönlich habe ich mich bisher am meisten mit den Zielen 11 („Städte und Siedlungen nachhaltig gestalten“) und 13 („Klimawandel bekämpfen“) beschäftigt, sowohl auf der Ebene der Alltags-Entscheidungen, aber auch politisch: Seit Ende 2019 durfte ich bei einem Beteiligungsprozess von Fridays for Future mit der Stadt Oldenburg mitmachen. Über 100 konkrete Maßnahmen für mehr Klimaschutz in Oldenburg haben wir gemeinsam mit Fridays for Future, Fachleuten und der Verwaltung erarbeitet, und über ein Jahr lang in den politischen Gremien beraten. Eine so konkrete Mitarbeit von for-Future-Gruppen an der Kommunalpolitik ist meines Wissens nach bisher einzigartig in Deutschland. Es war eine intensive Zeit mit vielen Verhandlungen darüber, wie viel Wandel und Umstellung wir uns allen abverlangen können und wollen. Meine Meinung ist: Sehr viel, denn es lohnt sich! Zögerliches Handeln würde uns wirtschaftlich und sozial auf lange Sicht deutlich mehr kosten.


Das wichtigste Ergebnis ist bisher, dass die Stadt Oldenburg sich zum Ziel gesetzt hat bis 2035 klimaneutral zu werden. Im Landkreis Oldenburg ist ähnliches bis 2050 vorgesehen, aber auch dort wird aufgrund des Verfassungsgerichts-Urteils für mehr Klimaschutz über ehrgeizigere Ziele nachgedacht. Wie die UN-Ziele, klingt auch diese Zielsetzung erstmal abstrakt, wird sich aber ganz real auf unser Leben auswirken. Zum Beispiel sagen Expert*innen des Umweltbundesamts, dass wir die Anzahl unserer Autos in einer klimaneutralen Zukunft um ca. zwei Drittel reduzieren müssen. Und diese Zukunft ist mit dem Ziel 2035 gar nicht so weit entfernt! Wir werden also bald eine ganz andere Infrastruktur brauchen, um unsere täglichen Wege zu erledigen (Ziel 9: „Gute Infrastruktur“). Das ist eine neue Realität, die vielleicht schwierig zu akzeptieren ist. Denn mit den bisherigen ca. 1 Grad Erwärmung können wir noch ganz gut umgehen, zumindest in unseren Breiten und mit unseren Ressourcen. Länder im globalen Süden sind allerdings schwerer betroffen. Ungerechterweise haben sie selbst am wenigsten zu der globalen Katastrophe beigetragen, auf die wir gerade zusteuern. Es geht also auch um Klimagerechtigkeit (Ziel 10: „Ungleichheit zwischen den Ländern verringern“). Überschreiten wir 1,5 Grad Erwärmung können zudem Vorgänge im Erdsystem ins Rollen geraten, die wir dann auch nicht mehr beeinflussen können. Mir persönlich (und einer ganzen jungen Generation) macht das Angst, und auch Wut auf die bisherige Untätigkeit.


Wohin mit der Angst und der Wut? Wählen gehen ist immer eine gute Idee, aber vor allem zwischen den Wahlen gibt es zum Glück Möglichkeiten sich einzubringen. Wir haben in unserem Beteiligungsprozess gelernt wie wirksam es gerade auf lokaler Ebene ist, wenn interessierte Bürger*innen beobachten, nachfragen, die Verantwortlichen ansprechen. Die Herausforderungen der nahen Zukunft können wir nur gemeinsam als Gesellschaft bewältigen, eben nach dem Motto: Global denken, lokal handeln!

 

Leonie Mazalla
Beratendes Mitglied im Umweltausschuss der Stadt Oldenburg, Promotion an der Universität Bremen im Bereich Vegetationsökologie