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7. September 2017 – 19. Januar 2018, 2. Etage

Ich wurde 1939 in Greifenberg/Pommern geboren. Wir lebten ein zufriedenes Leben - bis dann der Krieg kam.

Anfang März 1945 – einen Tag bevor die Russen in Greifenberg einmarschierten – packte meine Mutter unsere Sachen und verstaute sie im Kinderwagen. Wir verließen unser Zuhause – meine Großmutter hatte noch die Betten gemacht – und gingen zum Bahnhof, von wo aus wir mit dem Zug zum Stettiner Haff fuhren. Dort stiegen wir auf ein Schiff – es machte auf mich den Eindruck, als sei es ein Karussell. Es ging weiter Richtung Westen. Auf einem Bauernhof hätten wir bleiben dürfen, jedoch mussten wir weiter. Im Güterzug. Der Kinderwagen wurde hinten dran gehängt – und bald gestohlen. Wenn die Mütter ihren Kindern etwas zum Essen besorgen wollten, konnte es passieren, dass der Zug ohne sie abfuhr. Ich erinnere mich an eine Nacht, in der wir auf dem Boden eines Bahnhofs schlafen mussten. Dort ist es dann auch geschehen, dass meine Großmutter meinen drei Jahre alten Bruder an die Hand nahm und einfach losging. Sie wollte nach Hause. Sie war „durchgedreht“. Als wir unser Ziel Hude erreichten, wurde es uns nicht leicht gemacht. Wir schienen immer Menschen zweiter Klasse zu sein. Uns wurde nichts geschenkt. Wir lebten zehn Jahre lang mit vier Personen in einem Zimmer.

Meine Eltern konnten nie über die Nazizeit sprechen. Sehr spät erfuhr ich Einzelheiten wie die Geschichte meiner Tante, die infolge einer unbehandelten Hirnhautentzündung geistige Probleme hatte und daher eines Tages von den Nazis mit einem LKW abgeholt worden war. Kurz darauf ist sie angeblich mit 39 Jahren an einer Krankheit gestorben. Ich habe dies erst erfahren, als ich 50 Jahre alt war. Da hörte das ständige Seufzen meiner Mutter endlich auf.

Die vielen Eindrücke und Erlebnisse haben mich als Kind sehr geprägt. Bruchstückhafte Erinnerungen, angefacht durch die aktuelle Flüchtlingssituation, verfolgen mich noch heute … Etwa 60 Jahre später sah ich meine Heimat Greifenberg wieder und verarbeitete meine Eindrücke in einer Serie von farbigen Bildern, die mich zur Ruhe kommen ließen. Meine Ausstellung ist eine Art Tagebuch und dokumentiert mit meiner künstlerischen Auseinandersetzung, Fotos und Unterlagen aus dieser Zeit meine Biographie.

Text: Bärbel Woitas

Zur Künstlerin

  • 2007 Geldruck und Collage bei Cordula Kagemann
  • 2008 – 2016 Sommerakademie in Norden bei Johann Nußbächer
  • 2006 Seminare an der Universität Oldebburg „Zentrum für Wissenschaftliche Weiterbildung, Prokultur“
  • 1987 – 2006 Aktkurse
  • 1999 – 2007 Sommerakademien in Norden bei Doris Garduhn, Dozentin an der Universität Oldenburg
  • 2001 – 2004 Fernstudium an der Kunstschule Paris, Hamburg

Ausstellungen

2016 REHA–Klinik Oldenburg
  Nordwest–Zeitung Oldenburg
  Offene ARTEliers
2015 Eigenkartig, die Zweite“, BBK Oldenburg
2014 Spielraum Kunst“, BBK Oldenburg
  „von A – Z“, reegioVHS Ganderkesee als Dozentin
  Offene ARTEliers
2013 „Zwischenraum“, BBK Oldenburg
  „die galerie“ im Heuerhaus Sibylle Rob, Dötlingen
  Aufnahme von zwei Werken in die Artothek Oldenburg
2012 „Geschichten“ Ausstellung im BBK mit 3 Künstlern
  Spontan“ Ausstellung im Kreishaus Wildeshausen
  „Eigenkartig“, BBK Oldenburg
  Offene ARTEliers
2011 Aufnahme des Werkes RONDELL in die Artothek Oldenburg
  „in den Raum“, BBK Oldenburg
2010 Beteiligung BBK–Projekt „Zeitgleich — Zeitzeichen 2010“ Art & Dialog Gemeinschaftsausstellung
2009 Gemeinschaftsausstellung „Kunsthaus“ Norden
2007 Berlin–Wannsee
2006 Organisation einer gemeinsamen Ausstellung mit 3 Künstlern im Lichthof der VHS Delmenhorst
  Beteiligung in Hude, Straße der Nationen mit Bildern aus dem In– und Ausland
2005 Ausstellung in „Galerie Berger“, Delmenhorst
1976 – 2002 „fotoforum“ Delmenhorst Ausstellungen u. a. in der Galerie von Staden und im Haus Coburg

Impressionen der Ausstellungseröffnung

Kooperationspartner

BBK, Bezirksgruppe Oldenburg im Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler für Niedersachsen e. V.

Kooperationspartner und Förderung

Freundeskreis Bildende Kunst Oldenburg e. V.