Markus Hedrich
- In Kooperation mit dem Arbeitskreis Koloniale Kontinuitäten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Ab 1906 entfaltete sich ein ausgefeiltes kaiserzeitliches Wissenschaftsnetzwerk an der Schnittstelle von Pharmaindustrie und Tropenmedizin. In diesem Rahmen testeten bedeutende Akteure, darunter die Nobelpreisträger Robert Koch und Paul Ehrlich, experimentelle Mittel gegen die gefürchtete Afrikanische Schlafkrankheit in eigens hierfür eingerichteten „Schlafkranken-Konzentrationslagern“ in deutschen Kolonien ohne Rücksicht auf african dignity im Humanversuch. Der Vortrag zielt darauf, dieses ethisch höchst ambivalente Forschungsnetzwerk mit seinen Praktiken des kolonialen Humanversuchs nachzuzeichnen und zu vermessen – nicht ohne den Blick auf etwaige Kontinuitätslinien zur Geschichte des nationalsozialistischen Humanexperiments zu lenken. Markus Hedrich ist Postdoktorand am Arbeitsbereich Globalgeschichte des Historischen Seminars der Universität Hamburg. Hier arbeitet er an einer Geschichte des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin. Seine biographische Studie zu dem Tropenmediziner Bernhard Nocht wurde für den Literaturpreis HamburgLesen 2025 nominiert.