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Aktuelle Neuigkeiten unserer Volkshochschule.

Wie die Leistungsgesellschaft im Social Business gelingen kann

VHS | Kompass mit Unternehmerin Sina Trinkwalder („manomama“)

Üblicherweise gründen Menschen ein Unternehmen, weil sie eine besondere Idee haben, mit der sie Geld verdienen möchten. Auch das gehört zu Sina Trinkwalders Geschichte. Nach einem eher mittelmäßigen Abitur und zwei abgebrochenen Studiengängen, startete sie mit einer Digitalagentur durch. Bis der Sinneswandel kam, von dem die Augsburgerin am Donnerstag, 26. Januar, bei unserem VHS | Kompass im EWE Forum Alte Fleiwa erzählte.

Sina Trinkwalder wollte etwas Wertvolles für die Gesellschaft tun und denjenigen einen Arbeitsplatz bieten, die erst gar nicht vom Arbeitsmarkt registriert wurden: Mütter, die im Haushalt arbeiteten und von Altersarmut bedroht sein würden. So entstand „manomama“ (Latein: Aus den Händen der Mütter) – das erste Social Business der deutschen Textilindustrie. Heute arbeiten dort vor allem Personen mit Migrationsgeschichte, Geflüchtete, viele junge Männer ohne guten Schulabschluss. Gemeinsam fertigen sie ökologische Kleidung und Taschen made in Germany.

Die Leistungsgesellschaft kann etwas Gutes sein, wenn wir sie nur nach den menschlichen Bedürfnissen ausrichten und allen ermöglichen, daran mitzuwirken, so Sina Trinkwalders Credo.
Wie sich dies auf Oldenburg übertragen ließe, war die Frage der anschließenden Podiumsdiskussion. Dafür lud Moderator Andreas Unterberg – neben Sina Trinkwalder – Dr. Katharina Dutz (wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Carl von Ossiezky Universität, mit dem Arbeitsschwerpunkt Nachhaltigkeit und Technik), Michael Fuge (Geschäftsführer des Jobcenter Oldenburg) sowie Dr. Torsten Slink (Hauptgeschäftsführer der Oldenburgischen IHK) auf die Bühne.

Der deutsche Arbeitsmarkt stehe angesichts des Arbeitskräftemangels vor der Herausforderung, alle möglichen Potentiale zu nutzen. Und jede Person habe Kompetenzen, die es zu fördern gilt –  darüber herrschte Einigkeit auf dem Podium.

Laut Michael Fuge handle es sich bei den Arbeitslosen in Oldenburg zum Großteil um alleinstehende Personen. Ein Umstand, der schnell zu einer immer stärkeren gesellschaftlichen Isolation führe. Umso schwieriger sei es für diese Menschen, die Motivation zu finden, etwas an ihrem Leben zu ändern. Hier könne das Prinzip „manomama“ ein Vorbild sein, so Trinkwalder, denn der dort gewonnene Selbstwert führte bei ihren Mitarbeiter*innen zu einer Wertschätzung der Außenwelt.

Die Schwierigkeit, sich als Teil einer Gesellschaft zu begreifen, beginnt für Dr. Katharina Dutz schon im Schulsystem. Schüler*innen falle es schwer, die abstrakten Theorien mit ihrer Rolle in der Gesellschaft zu verbinden. Stattdessen könne phänomenbasiertes Lernen Schüler*innen beibringen, etwas herzustellen und dabei im Tun gleichzeitig eine Selbstwirksamkeit aufzubauen, die die Teilnahme an der Gesellschaft erleichtere.

Dr. Torsten Slink weitete den Blick der Diskussion über ein Aktivieren der „stillen Reserve“ in Deutschland hinaus und plädierte für eine Ausweitung des internationalen Arbeitsmarktes. Zu mehr Zuwanderung gehöre jedoch auch, das Ankunftsklima zu verbessern, ergänzte Sina Trinkwalder – denn wer wolle schon die Kraft dafür aufbringen, eine neue Sprache zu lernen, wenn die Person nicht einmal wüsste, wie lange sie in Deutschland bleiben kann. Vermeintliche Mängel wie Sprachkenntnisse oder Behinderungen sollten nicht als Handicap begriffen werden. Es brauche nur die richtige Aufgabe, um aus dem sogenannten „Vermittlungshemmnis“ einen Vorteil zu machen. Das beweise nicht zuletzt ihr eigener Lebenslauf und die Belegschaft von „manomama“.

Eine Aufzeichnung der Veranstaltung sowie Fotos und ein Interview mit unserem Gast Sina Trinkwalder finden Sie in unserer Mediathek.

 

 

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Andreas Gögel mit den Gästen des Podiums und Moderator Andreas Unterberg. Bild: VHS Oldenburg
V. l.: Dr. Torsten Slink, Sina Trinkwalder, Dr. Katharina Dutz, Michael Fuge, VHS-Geschäftsführer Andreas Gögel, Andreas Unterberg. Bild: VHS Oldenburg.
Blick aus dem Publikum auf Sina Trinkwalders Vortrag. Bild: VHS Oldenburg
Bild: VHS Oldenburg.
Blick aus dem Publikum auf die Podiumsdiskussion. Bild: VHS Oldenburg
Bild: VHS Oldenburg.
12.04.24 14:38:19