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Schwerpunkt 2018

Was ist Heimat? – Heimat kann ein Gefühl, ein Ort, ein Geschmack, ein Gegenstand, die Familie, Nachbar*innen, Freund*innen oder eine Stimmung sein. Heimat kann vieles sein, aber kein Spielball der Politik mit gesetzlichen Regeln oder Vorgaben, wer wo und wann eine Heimat hat. Dafür ist schon alles im Grundgesetz geregelt. Die vielen Facetten, die Heimat beinhaltet, wollten wir im Jahr 2018 mit dem Schwerpunktthema „Heimat: Bleiben. Suchen. Finden.“ aufgreifen und erlebbar machen.

Mit dem Wettbewerb „Heimat ist bunt!“ suchten wir Ihre kreativen Beiträge: Gedichte und andere Texte, Fotos, Collagen, Malereien, Zeichnungen wurden Teil der gleichnamigen Ausstellung im VHS-Haus. Bei einem weiteren Projekt zum Mitmachen stand eine große Weltkarte im Zentrum. Sie bot Platz für „Heimatgeschichten“ aus aller Welt.

Mit dem Café Miteinander ist ein neuer Ort der Begegnung an der VHS Oldenburg entstanden: ein Treffpunkt für unterschiedliche Kulturen und Sprachen – ein Ort für Vielfalt, Toleranz, Offenheit, Austausch und Bereicherung. Passend zu dem breiten Angebot stand bei jedem Café Miteinander eine andere Sprache im Vordergrund. Französisch, Arabisch, Spanisch, Dänisch und Italienisch waren 2018 die Schwerpunktsprachen. Doch gesprochen wurde jede Sprache, in der sich die Gäste des Ca-fés unterhalten möchten.

Slam Poet*innen setzten ihrer Heimat im gesamten norddeutschen Raum von Leer bis Usedom beim ersten Poetry Slam im März an der VHS vor jeweils ausverkauftem Haus ein liebevolles, mitunter auch mahnendes Denkmal. Zu gewinnen gab es mit der Goldenen Grünkohldose einen nahrhaften Pokal. Mit einem Text zum Thema Pressefreiheit konnte die Hannoveranerin Tanja Schwarz im März das Publikum für sich gewinnen. Im November ging die Goldene Grünkohl-dose an die Bentheimerin Theresa Sperling für ihren Text „Amilija“. Der Autor und Slammer Sebastian Hahn moderierte beide Veranstaltungen mit Humor und Biss.

Der Titel des ausverkauften Mitsingkonzerts mit Annie Heger und Insina Lüschen war Programm – „Singen verbindet – in eelke Spraak“. Wer anwesend war, hat auch gesungen. Und vor allem: haben die beiden Sängerinnen mit ihrem Streifzug durch familiäre, ostfriesische und weltweit bekannte Songs ihr Publikum sowohl mitgerissen (z. B. in der Ode an den Hamborger Veermaster) als auch berührt. Mit ihrer Freude am musikalischen Fabulieren und ihrer klaren Haltung für mehr Miteinander haben Annie Heger und Insina Lüschen einen Abend fürs Herz und den gesunden Menschenverstand kreiert.

Weitere Veranstaltungen zum Schwerpunkt waren die Lesungen mit Bernd Ulrich im April und Meike Winnemuth im Juni. Während Bernd Ulrich mit seinem Titel „Guten Morgen Abendland“ untersuchte, welche Lösungen entwickelt werden können, um drohenden gesellschaftlichen Spaltungen zu begegnen, wandte sich Meike Winnemuth in ihrer Lesung aus verschiedenen ihrer Werke der Frage zu, wie Heimatgefühle bei einer Weltreisenden entstehen.

Moderiert von Lars Reckermann, Chefredakteur der NWZ, entstand bei unserer jährlichen Talkrunde zum Schwerpunktthema ein anregender Austausch zwischen der Moderatorin, Sängerin und Schauspielerin Annie Heger, der Präsidentin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Nordwest zu Oldenburg Sachiko Sziszka, dem Oldenburger des Jahres 2018 und Organisator des CSD Nordwest Thomas Sieverding und dem Begründer und Leiter des Internationalen Filmfest Oldenburg Torsten Neumann. Dabei wurde auch auf Fragen aus dem Publikum eingegangen – zum Beispiel jene eines Gastes mit ausländischen Wurzeln: Warum finden es gerade Deutsche so schwierig, sich unbeschwert zu ihrem Heimatland zu äußern?

Mit anschaulichen Illustrationen und Beispielen verdeutlichte Prof. Dr. Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR) den rund 200 anwesenden Gäste des VHS|Kompass im LzO Forum die Folgen des Klimawandels. Gerade die reichen Industriestaaten setzten auf Ökonomisierung statt Solidarität. Kurzfristige Lösungen und zu klein gesteckte Ziele der internationalen Klimaabkommen zeigten die unterschiedlichen Prioritäten von Wissenschaft und Politik. Zwischen dem Schwerpunkt „Heimat: Bleiben. Suchen. Finden.“ und dem Thema Klimawandel spannte er für das Publikum mit großem Ernst die Brücke: „Wir haben nur diesen einen Planeten. Wir können nicht auswandern. Die Erde ist unser aller Heimat und sie gilt es zu beschützen.“
Zum Abschluss des Schwerpunktthemas war Michel Abdollahi, TV-Moderator und Performance-Künstler aus Hamburg ebenfalls für einen VHS|Kompass zu Gast. „Ich habe keine Lust mehr über Heimat zu sprechen, weil wir viel wichtigere Probleme haben.“ Mit diesen Worten leitete er seinen Beitrag „Kulturgut Heimat?!?!“ ein, denn für den gebürtigen Iraner ist klar: Hamburg ist sein Zuhause, und er liebt die Vielfalt der beiden Kulturen, die sein Leben prägen. Nicht-weiße Deutsche wie er würden häufi g nach ihrer Herkunft gefragt. Seine provozierende Gegenfrage dazu: Wie viele Jahre muss er in Deutschland gelebt und Steuern gezahlt haben, bevor er als Deutscher akzeptiert wird?