Skip to main content

Ausstellung „#ZUSAMMEN für eine nachhaltige Gesellschaft“

5. September 2022 - 31. Januar 2023

Unsere Ausstellung zum Thema Nachhaltigkeit wird fortgesetzt...

In jedem Semester widmen wir uns ausgewählten Schwerpunkten der 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung, die 2015 mit der AGENDA 2030 FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG vereinbart worden sind.
Unsere derzeitige Ausstellung nimmt drei dieser Ziele in den Fokus. Ergänzend zu unserer Magnetwand-Ausstellung auf der 1. Etage des VHS-Hauses in der Karlstraße finden Sie hier weitere Informationen zu den von uns gewählten Zielen.

Weiterhin gibt es in unserer Vitrinenausstellung im Foyer der VHS Oldenburg einen speziellen Länderschwerpunkt:  "ISLAND. Leben, Glück und Nachhaltigkeit".
 

AGENDA 2030 FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

Mit der Verabschiedung der Agenda 2030 wurde 2015 erstmalig in New York ein globaler Handlungs- und Orientierungsrahmen für nachhaltige Entwicklung geschaffen.

Die Agenda schafft die Grundlage dafür, weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen der Erde zu gestalten.

Die 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030, die Sustainable Development Goals (SDGs), richten sich an alle: die Regierungen weltweit, aber auch die Zivilgesellschaft, die Privatwirtschaft und die Wissenschaft.

Zur Übersicht der 17 Ziele

DEUTSCHLAND VERFEHLT SEINE NACHHALTIGKEITSZIELE

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie enthält konkrete Ziele, deren Erreichung anhand klar definierter Indikatoren gemessen wird. Verschiedene Institutionen, darunter der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE), sollen gewährleisten, dass Nachhaltigkeit zum Leitprinzip unserer Gesellschaft wird.

Allerdings wird Deutschland voraussichtlich eine große Zahl wichtiger Ziele nicht bis 2030 erreichen, darunter die Bereiche Energieverbrauch, Flächeninanspruchnahme und Gleichstellung. 

Der alle zwei Jahre vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Bericht zeigt den derzeitigen Status der in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie festgelegten Ziele.

Zum Nachhaltigkeitsbericht 2021

Drei Schwerpunkte der AGENDA 2030 FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

ZUGANG ZU NACHHALTIGER ENERGIE SICHERN

Ressourcen wie Kohle, Erdöl und -gas sind nicht unbegrenzt verfügbar. Die Treibhausgase aus der Verbrennung fossiler Rohstoffe belasten zudem unser Klima. Energiebedingte Emissionen machen rund 85 % der ⁠Treibhausgas⁠-Emissionen in Deutschland aus. Hauptverursacher sind die Energiewirtschaft, der Verkehr und die Industrie. Gefolgt von privaten Haushalten (13 %) sowie dem Gewerbe-, Handels- und Dienstleistungssektor (6 %). Um die Klimaziele zu erreichen, müssen wir umdenken.

Die Stromproduktion basiert aktuell zu rund 60 % auf fossilen Energien und Kernkraft. Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, den Anteil der erneuerbaren Energien wie Windenergie, Biomasse und Photovoltaik von aktuell rund 42 auf 80 % im Jahr 2030 zu erhöhen. Bis 2035 soll der gesamte in Deutschland erzeugte Strom klimaneutral sein.

Weltweit sind 2,8 Mrd. Menschen auf ineffiziente und umweltschädliche Brennstoffe zum Kochen angewiesen. Durch die so entstehende Luftverschmutzung in Haushalten sterben jedes Jahr circa 2,5 Mio. Menschen an Krebs, Herzkrankheiten oder Schlaganfällen. Weltweit sollen alle Haushalte bis 2030 einen Zugang zu Strom haben, Energien effizienter genutzt werden und der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Energieversorgung verdoppelt werden.

Deutschland verbraucht pro Jahr rund 90 Milliarden Kubikmeter Erdgas, rund die Hälfte davon kam bisher aus Russland. Mit dem Ukraine-Krieg haben sich die Rahmenbedingungen für unsere Klimapolitik deutlich verändert. Es gilt, die Importabhängigkeit von fossilen Energien zu reduzieren. Der weitgehende Verzicht auf fossile Brennstoffe und der Ausbau erneuerbarer Energien erhält höchste Dringlichkeit.

BEISPIELE NACHHALTIGER ENERGIEVERSORGUNG

Ausbau von multifunktionalen Flüssigerdgas-Terminals

Aktuell sind mehrere Flüssigerdgas-Terminals in Städten wie Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Stade in Planung. Spezialschiffe können ab 2023 dort anlegen und jeweils mindestens fünf Milliarden Kubikmeter Gas jährlich verfügbar machen. Perspektivisch sollen die Importterminals zum Aufbau einer Infrastruktur für CO2-arme Energieträger wie Wasserstoff oder Ammoniak beitragen.

Nachhaltige Mobilität

Die Europäische Kommission geht davon aus, dass eine vollständige Umstellung auf Elektromotoren im Verkehr erforderlich wäre um bis 2050 die Klimaneutralität zu erreichen. Eine Kombination aus Elektrifizierung des Straßenverkehrs und alternativen Kraftstoffen sorgt für schnelleren Klimaschutz, so eine aktuelle Studie.

Alternativer Kraftstoff aus Holzresten

Die TU München hat einen deutlich ertragreicheren Prozess zur Herstellung von Ethanol aus Abfall- und Reststoffen der Forst- und Landwirtschaft entwickelt. Ethanol als Treibstoff ist bereits in einigen Bereichen etabliert. Im Vergleich zu fossilem Benzin wäre eine CO2-Reduktion von 75 % möglich.

STÄDTE UND GEMEINDEN NACHHALTIG GESTALTEN

Städte verbrauchen aktuell bis zu 75 % der weltweit erzeugten Energie und verursachen gleichzeitig bis zu 75 % des CO2-Ausstoßes. Bis 2050 könnten weltweit dreiviertel der Bevölkerung in Städten leben. Der Anteil der Stadtbevölkerung, der in Slums lebt, steigt. 9 von 10 Stadtbewohnern weltweit atmen Luft, deren Feinstaubbelastung über den Richtwerten der Weltgesundheitsorganisation liegt. Nur rund die Hälfte hat leichten Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln und bloß 20 % zu öffentlichen Plätzen oder Parks. In Deutschland müssen vor allem Geringverdienende oft weit mehr als die empfohlenen 30 % ihres Einkommens für die Miete aufbringen.

Eine der zentralen Herausforderungen der Stadtentwicklung ist es, genug bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig eine lebenswerte und klimafreundliche Stadt zu schaffen. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und die Verbesserung der Infrastruktur für Fahrrad- und Fußverkehr sind Teil einer nachhaltigen Stadtentwicklungsstrategie. Außerdem sollen Städte inklusiver werden, das heißt niemand soll ausgeschlossen oder benachteiligt werden. Die Lebensqualität in Stadt und Land anzugleichen, bedeutet, dem Druck auf die Städte entgegen zu wirken und ländliche Regionen zu attraktiven Standpunkten für Wirtschaft und Innovation zu machen.

BEISPIELE NACHHALTIGER STADTENTWICKLUNG

Wassersensible Stadtentwicklung

Zunehmende extreme Wetterlagen erfordern eine wassersensible Stadtentwicklung wie das Prinzip der Schwammstadt, das plötzlich auftretenden Wassermassen entgegenwirkt. Entsiegelte Freiflächen fördern die Versickerung von Regenwasser.

Auch in Oldenburg gibt es ein Schwammstadt-Projekt.

Grüne Stadt

Stadtbegrünung verbessert die Lebensqualität enorm. Eine Dachbegrünung verzögert den Abfluss von Regenwasser und trägt dazu bei, den Stadtklimaeffekt zu verringern. Fassadenbegrünungen bewirken beachtliche Verbesserungen von Stadtluft und Stadtklima (bis 30 %).

Förderprogramme für Dach- und Fassadenbegrünung in Oldenburg.

Urban Gardening

Nebeneffekt dieser besonders nachhaltigen Versorgungsform ist eine Senkung des Alltagsstresses. Das gemeinsame Gärtnern fördert zudem den Zusammenhalt. Insekten und Vögeln wird ein Lebensraum geboten.

Verfügbare Gartenflächen und -projekte in Oldenburg.

Nachhaltiges Bauen

Gebäude- und Straßenbau verschlingen erhebliche Mengen mineralischer Rohstoffe. Bei der Herstellung von Beton entstehen rund 8 % der globalen CO2-Emissionen. Neue Materialien und Alternativen werden im Sinne des nachhaltigen Bauens entwickelt. Zudem fordert der Rat für Nachhaltige Entwicklung ein Denken in Kreisläufen nach dem Prinzip „Reduce, Reuse and Repair, Recycle“.

Informationen stellt das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen zur Verfügung.

FRIEDEN UND GERECHTIGKEIT SCHAFFEN

Frieden, körperliche Unversehrtheit und Schutz durch ein stabiles Rechtssystem sind Voraussetzungen für nachhaltige Entwicklung und Wohlstand. Wirtschaftlicher Wohlstand und der Aufbau eines demokratischen Rechtsstaats erfordern nicht nur die Einhaltung der Grund- und Menschenrechte, sondern auch eine gute, rechtsstaatliche Verwaltung.

Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt. Dies gilt es zu bewahren und gleichzeitig andere Länder darin zu unterstützen. Doch auch hier gibt es Korruption und Kriminalität.  2020 lag die Anzahl der polizeilich registrierten Straftaten bei ca. 5,3 Millionen.

Weltweit gibt es Gewalt, Willkür, Ungleichheit, Korruption oder Krieg. Die Zahl der Menschen, die aufgrund kriegerischer Konflikte aus ihrer Heimat flüchten, steigt an. 70 % der Opfer von zumeist sexueller Ausbeutung sind weiblich. Grundvoraussetzung für den Schutz durch das Gesetz ist die Registrierung der Geburt, jedoch werden 25 % aller Geburten nicht registriert. 30 % aller Gefangenen weltweit werden ohne Gerichtsurteil festgehalten. Kriegerische Konflikte, häusliche und kriminelle Gewalt bedrohen das Leben von Millionen Menschen, verschlechtern Lebensbedingungen, vermindern Ernteerträge und Ressourcen, verringern die Chancen auf Bildung, auf Gesundheitsfürsorge und Partizipation.

GLOBALE HERAUSFORDERUNGEN

Global Peace Index

Der Global Peace Index bewertet drei große Bereiche: Das Level der gesellschaftlichen Sicherheit, das Ausmaß der anhaltenden nationalen und internationalen Konflikte und der Grad der Militarisierung.

Verschlechterung des Global Peace Index

Afghanistan war laut Global Peace Index 2021 wiederholt das am wenigsten friedliche Land der Welt. Der Nahe Osten und Nordafrika waren die am meisten von Konflikten und Gewalt betroffenen Regionen. Nordamerika verzeichnete aufgrund der politischen Instabilität in den USA die größte Verschlechterung des Index. 2021 haben politische Instabilität und gewalttätige Demonstrationen zugenommen. Insgesamt stiegen die zivilen Unruhen weltweit um 10 %. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie kam es weltweit zu mehr als 5.000 Protestaktionen. 2022 dürfte Russland im  Global Peace Index auf die hinteren Plätze rücken.

Steigende Flüchtlingszahlen

Im Mai 2022 melden die UN erstmals mehr als 100 Millionen Geflüchtete weltweit, vor allem aufgrund neuer Gewalt oder anhaltender Konflikte in Ländern wie Äthiopien, Burkina Faso, Myanmar, Nigeria, Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo und neuerdings der Ukraine.

Frieden in Europa?

Der Frieden in Europa scheint aufgrund der neuesten Entwicklungen nachhaltig gefährdet. 2021 war Europa noch die friedlichste Region der Welt. Der Krieg Russlands in der Ukraine jedoch machte dies zunichte.

FOLGEN DES UKRAINE-KRIEGES

Rund 15 Mio. Flüchtlinge

Bis Mitte Juni 2022 waren laut Schätzungen des UN-Flüchtlingskommissariats rund 8 Mio. Menschen aus der Ukraine geflohen. Hinzu kommen rund 7,2 Mio. Binnenflüchtlinge.

Nahrungsmittelkrise in Afrika

Afrika bezog seinen Weizen bis zu 90 % aus der Ukraine. Bereits zu Beginn des Ukraine-Krieges war der Preisindex für Nahrungsmittel um 12 % gestiegen. 283 Millionen Afrikaner hatten bereits vor dem Krieg nicht ausreichend zu essen.

Verschuldung armer Länder

Viele Länder haben Schulden gemacht, um die Corona-Folgen abzumildern. Nun steigen die Zinsen auf den Geldmärkten. Mit dem Krieg in der Ukraine und der Lebensmittelkrise folgen weitere Unwägbarkeiten für die Staatskassen.

Kriegswirtschaft in der Ukraine

In den russisch besetzen Gebieten der Ukraine ist die Agrarproduktion weitgehend zusammengebrochen. Landarbeiter fehlen, denn die männliche Landbevölkerung ist im Krieg.

Rückschritte in der Agrarwirtschaft

Mit der Ukraine fällt einer der größten Exporteure von Weizen und Soja weg. Doch anstatt die Massentierhaltung in der EU herunterzufahren, wird empfohlen, den Ertrag durch Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln sowie durch den Ausbau der Anbauflächen zulasten des Artenschutzes zu erhöhen.

Energiekrise

Energie wird teuer und knapp. Rund die Hälfte des benötigten Erdgases bezog Deutschland bisher aus Russland. Mit dem Rückgang der Gasversorgung aus Russland droht nicht nur ein Mangel in Bereichen wie Wärmeversorgung und Industrie, sondern auch bei der Stromversorgung. Rund 13 Prozent des Erdgases werden zur Erzeugung von Strom verwendet. Die Produktion von Strom aus Erneuerbaren Energien ist im Winter schwach und kann den Mangel aktuell nicht ausgleichen.

Quellen

www.17ziele.de | Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen, www.unric.org | United Nations, www.un.org | www.bundesregierung.de | Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, www.bmz.de  | Agentur für Wirtschaft und Entwicklung, www.wirtschaft-entwicklung.de  | www.statista.com | www.nachhaltigkeitsrat.de | www.travelbook.de | Forsa Umfrage 2021, Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.  | Verbrauchertrendstudie GfK Consumer Life, 2022 | Norbert Hahn: Globale Nahrungsmittelkrise Krieg, Schulden, Mangel, Hunger , April 2022, www.tagessschau.de | Holger Beckmann: Pläne der EU-Agrarminister. Der Krieg als Vorwand für Rückschritte, März 2022, www.tagesschau.de  | Future:fuels. Der Expertenblog, April/Mai 2022, www.futurefuels.blog | Süddeutsche Zeitung, Mai 2022 | Analyse "Global Peace Index" Weniger Frieden auf der Welt – Politische Instabilität wächst, Juni 2022, www.Stern.de | Karlsruher Institut für Technologie, August 2012 | Sigrid Born: Energiekrise Gasmangel wird zum Stromproblem, August 2022, www.tagesschau.de.